Erlischt Ihre Garantie bei einer Falschbetankung?

Das eine Falschbetankung sehr unangenehm und kostenintensiv sein kann, ist kein Geheimnis. Die meisten Autofahrer jedoch unterschätzen das Risiko an der Tankstelle massiv und halten eine Falschbetankung allenfalls für ein selten vorkommendes Missgeschick. 

Doch die Praxis sieht anders aus: Im Jahr 2012 hat der ADAC über 5000 Tankpannen gemeldet, die tatsächliche Anzahl von Falschbetankungen liegt wahrscheinlich noch deutlich darüber. (https://www.adac.de/infotestrat/adac-im-einsatz/motorwelt/falschtanker.aspx)
Wenn Sie sich richtig verhalten, kann in den meisten Fällen ein teurer Motorschaden vermieden werden.
Doch was passiert, wenn Sie den Motor bereits gestartet haben und ein Schaden an Ihrem Wagen entstanden ist?
Haften Sie für die Schäden, werden diese von der Herstellergarantie abgedeckt, oder erlischt die Garantie sogar durch das Falschbetanken?
Können Sie die Kosten für die anstehenden Reparaturen als Teil- oder Vollkaskoversicherter von Ihrer Versicherung ersetzen lassen?
Es stellen sich viele Fragen rund um das Thema der Falschbetankung und die meisten Betroffenen verlieren schnell den Überblick.
Wir bringen Klarheit in das rechtliche Durcheinander und helfen Ihnen auf die Sprünge.


Können Sie die anfallenden Kosten von Ihrer Versicherung erstatten lassen?

„Mit einer Vollkaskoversicherung bin ich gegen jegliche Schäden an meinem Auto versichert“ – so denken viele Versicherte, und das ist auch nachvollziehbar.
Denn mit einer Vollkaskoversicherung schützen Sie sich vor allen Schäden die durch Unfälle oder andere äußere Einflüsse, wie zum Beispiel Vandalismus, an Ihrem Wagen entstehen.
Sogar selbstverschuldete Unfälle werden von dieser Zusatzversicherung gedeckt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Kaskoversicherung)
Daher liegt es nahe, dass auch eine Falschbetankung zum Versicherungsumfang gehört.
Doch das ist falsch!
Grund dafür ist, dass sogenannte Betriebsschäden, also Schäden die durch den falschen Gebrauch mit dem Wagen entstehen, nicht mitversichert sind.
Das hat ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 03.08.2005 entschieden und somit die Versicherungen von der Versicherungspflicht bei einer Falschbetankung entbunden.
(http://heidekamp.com/de/tip-kfz-kasko/tip-kfz-kasko/03.08.2005–schaden–falsch-getankt—kein-versicherungsschutz.html)
Die Kosten für eine Reparatur lassen sich also nicht von Ihrer Versicherung erstatten, unabhängig davon ob sie teil- oder vollkaskoversichert sind.

Haftet der Tankstellenbetreiber für mögliche Schäden bei einer Falschbetankung?

Generell ist diese Frage mit „Nein“ zu beantworten. Sofern den Tankstellenbetreiber keine Schuld trifft, haftet dieser nicht für die fahrlässige Falschbetankung des Kunden.
In Ausnahmefällen jedoch, kann es zu einer Haftungsteilung oder einer vollständigen Haftung des Tankstellenbetreibers kommen.
Wenn beispielsweise der Tankwart selbst die Falschbetankung durchgeführt hat oder die Zapfsäulen nicht ordnungsgemäß beschriftet waren, ist eine Haftungsteilung grundsätzlich möglich. (http://www.flotte.de/files/newspapers/2008/3/pdf/048-50_Recht_fm308.pdf)
Im einem Fall einer Tankstelle im niedersächsischen Burgdorf, haben Tanklastzüge Dieselzapfsäulen mit Benzin und Benzinzapfsäulen mit Diesel befüllt. Die Kunden der Tankstelle haben ahnungslos den falschen Sprit in Ihren Wagen getankt und hatten keinerlei Möglichkeit dies zu erkennen. (https://www.adac.de/infotestrat/adac-im-einsatz/motorwelt/falschtanker.aspx)
Hier haftete der Tankstellenbetreiber bzw. die Firma der Tanklaster für die entstandenen Schäden.


Können die Schäden über die Herstellergarantie abgewickelt werden?

Bei der Herstellergarantie verhält es sich ähnlich wie bei der Kaskoversicherung.
Das Regelwerk des Autoherstellers besagt in den meisten Fällen, dass Reparaturen am Wagen aufgrund von falscher Betankung nicht von der Garantie umfasst werden.
(http://www.flotte.de/files/newspapers/2008/3/pdf/048-50_Recht_fm308.pdf)
Doch das ist bei weitem noch nicht alles. Manche Hersteller fordern nach einer Falschbetankung, dass das komplette Kraftstoffsystem gereinigt und Filter, Katalysator sowie Hochdruckpumpe ausgetauscht werden müssen, damit die Herstellergarantie für mögliche Folgeschäden nicht erlischt. Eine solch aufwendige Reparatur kann mehrere tausend Euro kosten und den Wert des Wagens in manchen Fällen sogar übersteigen.
Informieren Sie sich in einem solchen Fall genau über die Garantierichtlinien und erkundigen Sie sich im Zweifelsfall bei Ihrem Autohändler.
Eine Falschbetankung ist insofern besonders tückisch, als dass es in der Regel keine vom Hersteller verbauten Mechanismen oder Vorrichtungen gibt, die eine Falschbetankung verhindern.
Ein einfacher Fehlgriff an der Tankstelle kann also auch dann extrem teuer werden, wenn noch gar keine Schäden am Wagen entstanden sind.
Wenn Sie sich unsicher über Ihr Vorgehen sind, sollten Sie einen Anwalt für eine kostengünstige Erstberatung einschalten, da dieser Sie individuell und fachkompetent beraten kann.